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Hoeneß-Prozess: Sommerloch im März

Klar, es ist schon ziemlich warm draußen. Aber herrscht in den Redaktionen jetzt schon das Sommerloch? Anders ist es kaum zu erklären, dass der Steuerprozess gegen Uli Hoeneß derart die Schlagzeilen dominiert. Ja, natürlich gilt die alte journalistische Regel, dass die Mischung aus Prominenz, Verbrechen und räumlicher Nähe aus Lesersicht Interesse erzeugt. Da gerät ein sich zuspitzender Konflikt auf der fernen Krim schon einmal aus dem Blickfeld. Aber bedarf es wirklich der Berichterstattung in dieser Form mit Live-Blog zum Prozess? Dem Kommentar eines Users ist nichts hinzuzufügen: „Nicht, dass ich diesen absolut weltbewegenden Artikel auch nur überfliegen würde, aber ich bitte doch inständig darum, per Überschrift und Eilmeldung ständig und auch über jeden Toilettengang von Herrn Hoeneß informiert zu werden.“

Natürlich wird auch über die Hintergründe der zur Prozess stehenden Tat diskutiert. So fragt etwa das gleiche Medium besorgt: „Kann Aktienhandel süchtig machen?“ Wie üblich wird dabei das Thema Börse vor allem im negativen Zusammenhang beleuchtet. Dass eigentliche wirtschaftliche Problem in Deutschland ist allerdings nicht das pathologische Zocken einiger weniger an der Börse, sondern die Tatsache, dass sich weite Teile der Gesellschaft von der an sich sinnvollen Anlageform Aktie komplett fern halten. Immerhin: Wer sein Geld auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten verwahrt, kommt mangels Ertrag wenigstens nicht in Versuchung, Steuern zu hinterziehen.

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